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Vorwort / Link zum Buch Intelligenz testen und fördern

Wenn Kinder eine körperliche Erkrankung haben, dann ist es für Eltern heute völlig selbstverständlich, dass der Arzt eine Reihe von diagnostischen Untersuchungen durchführt, etwa das Blutbild im Labor bestimmen lässt, Puls-Herzschlag-Blutdruck misst oder Ultraschall macht. Sonderbarerweise trifft es oft auf Skepsis, wenn ein Kind zum Psychologen geschickt wird, damit dort eine Intelligenzmessung durchgeführt wird. Viele Eltern haben hier Befürchtungen, die oft übertrieben sind und bei denen dieses Büchlein helfen soll, Vorurteile auszuräumen und zu verstehen, wozu eine solche Testung notwendig ist und wie sie abläuft.  

 

Wie ein Arzt, so braucht aber auch der Psychologe seine Untersuchungsinstrumente, nur dass dies in diesem Fall Testverfahren sind. Sie helfen dem Fachmann abzuchecken, wo die Ursachen der Schwierigkeiten eines Kindes sind. Häufigstes Problem, weswegen man Kindern eine solche Untersuchung anrät, ist ein Versagen in der Schule, das durchaus auf Mängel der Intelligenz zurückführbar sein kann. Mithilfe eines IQ-Tests kann man dann feststellen, ob das Kind hier tatsächlich Defizite hat und in welchen Bereichen diese Schwierigkeiten liegen. Wenn man diese Bereiche eingegrenzt hat, dann lassen sich daraus auch gezielte Möglichkeiten der Förderung ableiten. Daher wendet sich die Bestimmung des Intelligenzquotienten keinesfalls gegen das Kind, sondern stellt einen wichtigen Baustein dar, um dem Kind spezifische Hilfe anbieten zu können.

 

Nicht selten stellt man aber auch fest, dass Kinder, die in der Schule versagen, ein durchaus gutes Denkvermögen haben. Im Sinne einer Ausschlussdiagnose kann auch das sehr wichtig sein, denn der Fachmann kann nun sein Augenmerk auf weitere Ursachenquellen lenken. So können z.B. Wahrnehmungsdefizite (etwa Hörschwächen, Sehstörungen, minimaler Schielwinkel, Verarbeitungsstörungen von Wahrnehmungen im Gehirn) zu Leistungsschwächen führen. Ebenso kann auch eine Lese-Rechtschreibschwäche oder eine Rechenschwäche Ursachen sein. Oft haben Kinder auch hier keine Schwierigkeiten, sondern die Ursache liegt etwa im Mobbing durch Mitschüler, in Konfliktsituationen zu Hause oder in allgemein belastenden Lebenssituationen. Von daher wird der sorgfältige Fachmann sein Urteil nicht einfach nur auf der Basis eines Intelligenzquotienten fällen, sondern es müssen diverse Bereiche abgeklopft werden, aus deren Gesamtschau sich dann eine Diagnose ableiten lässt. Und wie bei körperlichen Erkrankungen dient eine solche Diagnose dann zur Planung der Behandlung.

 

Verständlich ist, dass Eltern Angst haben, dass eine solche Prüfung tatsächlich Begabungsmängel aufzeigt und ihr Kind nicht, wie angestrebt, etwa auf das Gymnasium gehen und Abitur machen kann. Hier muss man sehen, dass jahrelange Überlastung eines Kindes, das die intellektuellen Voraussetzungen für das Abitur gar nicht mitbringt, in der Regel auch psychische Folgen haben. Es reit sich für den Schüler eine Frustration an die nächste, selbst schwache Ergebnisse in Klassenarbeiten werden nur mit monatelangem Nachhilfeunterricht erkämpft. Während andere Kinder draußen spielen und ihr Leben genießen, vermiest man solchen Schülern das Leben und verlangt etwas von ihnen, das sie aufgrund ihrer Voraussetzungen gar nicht zu leisten vermögen. Folgen sind nicht selten Misserfolgserwartungen, mangelndes Selbstbewusstsein oder übermäßige Hinwendung zu anderen Lebensbereichen, in denen die Kinder positive Erfahrungen machen, etwa Computerspiele. Hier kann das Ergebnis eines IQ-Tests helfen, der Wahrheit ins Auge zu blicken und dann eine rationale Entscheidung zu treffen, was man für sei Kind denn nun wirklich erreichen möchte.

 

Jeder von uns ist irgendwie ein Psychologe. Das Verhalten anderer Menschen, ihre Gefühle und ihr Denken reizen unsere Neugier, lassen uns nach Gründen dafür forschen und Schlussfolgerungen ziehen. Gute Menschenkenner verfügen über intuitive psychologische Kenntnisse, mit deren Hilfe sie schnell und treffend Urteile fallen können. Die Alltagspsychologie ist von den intuitiven Fähigkeiten des Einzelnen abhängig, die Erkenntnisse sind subjektiv. Die wissenschaftliche Forschung gibt uns dagegen abgesicherte Antworten auf Fragen nach dem Verhalten und dem Erleben des Menschen: Wei funktionieren unsere Wahrnehmung, unser Gedächtnis und Lernen? Wie entwickelt sich Sprache und Denken? Worin liegen unsere menschlichen Möglichkeiten und Grenzen? Und natürlich die Frage nach der Intelligenz.

 

Von IQ-Tests gibt es eine große Vielzahl. Sie kommen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Einsatz: wie etwa bei der Einschulung, Schulwechsel, bei der Entscheidung über mögliche Fördermaßnahmen, als Einstellungstests beim Busrufwechsel. Die IQ-Tests messen ein breites Spektrum von kognitiven Fähigkeiten, wie etwa Sprach- und Zahlenverständnis, räumliches Denken, Verarbeitungskapazität und Bearbeitungsgeschwindigkeit. Abschließend fehlt noch die Kreativität, jener Bereich der Intelligenz, der uns erlaubt, neue und unerwartete Verbindungen zwischen Ideen herzustellen und originell und flexibel zu denken. Dies ist bei Weitem kein vollständiges Abbild unserer Intelligenz. Emotionen und soziale Intelligenz sind zwei Bereiche; sie haben damit zu tun, wie wir unsere eigenen Gefühle und die anderer erkennen, kontrollieren und mit ihnen umgehen.

 

Das vorliegende Werk ist kein Lehrbuch für fortgeschrittene Studenten des Faches Psychologie und konkurriert nicht mit den Büchern zu einzelnen kognitionspsychologischen Themen. Dieses Buch erläutert in einer für Nichtpsychologen verständlichen Weise diverse Verfahren zur Messung von Intelligenz in ihren Bereichen. Es zeigt, wie Eltern bei Ihren Kindern Begabungen erkennen, optimal nutzen und durch spielerisches Lernen fördern können. Auf unseser Forschungsreise durch wissenschaftliche Literatur, Intelligenztests, Experimentieren und Testen von IQ-Aufgaben mit Kindern hatten wir das Ziel herauszufinden, wie wir die Erkenntnisse des IQ-Testens in die Praxis umsetzen können, um die Funktionen des Geistes effektiver nutzen zu können. Das Buch stellt die sieben Bereiche der Intelligenz nach dem Modell von O.A.Jäger dar – sprachgebundenes, anschauungsgebundenes und zahlengebundenes Denken, Verarbeitungskapazität, Einfallsreichtum, Merkfähigkeit und Bearbeitungsgeschwindigkeit. Wir betten die Beschreibung von Tests mit Beispielaufgaben, Fördermöglichkeiten zu den einzelnen Bereichen der Intelligenz in verständliche, authentische Einheiten ein, bieten wichtige Anhaltspunkte an und leiten sie zum aktiven Lernen an. Schauen Sie sich auf den nächsten Seiten an, was sie erwartet, und beginnen Sie dann mit dem Kapitel 1 oder dem Kapitel, das Sie am meisten interessiert.

 

In › Kap. 13 finden Sie die einheitliche Beschreibung von 15 gängigen IQ-Tests. Sie können sich ganz nach Lust und Laune erst mit den IQ-Tests befassen, über die sie Informationen brauchen, oder dieses Kapitel systematisch durcharbeiten.

 

Lassen sie sich mit Ihrem Kind auf ein aufregendes Abenteuer durch das von uns selbst erarbeitete Übungsprogramm in› Kap.14 ein. Es besteht aus Übungsaufgaben für Kinder ab 6 Jahren und beruht im Wesentlichen auf bisher bewährten und in der Praxis erprobten Aufgaben, die den echten Testaufgaben aus den ofiziellen psychologischen IQ-Tests, die in Verlagen wie z.B. Hogrefe oder Pearson publiziert werden und nur von geschulten Personal durchgeführt und ausgewertet werden dürfen, sehr ähnlich sind. Diese Aufgaben sollen Eltern einen Eindruck vermitteln, wie IQ-Aufgaben aussehen können, und ihnen eventuelle Berührungsängste hehmen; eine Intelligenztestung können sie aber nicht ersetzen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn man nicht bei allen Aufgaben gut abschneidet - man kann auf einem Kognitionsbereich sehr gut sein, auf einem anderen aber durchaus etwas Übung benötigen.

 

Ein Hinweis noch, was dieses Buch nicht leisten und was es leisten kann: Dieses Buch liefert Ihnen keinen Intelligenzwert für Ihr Kind; es können auch keine Aufgaben aus den echten IQ-Tests gezeigt werden. dieses Buch ersetzt deswegen auch keine Untersuchung durch einen erfahrenen Diagnostiker. Was dieses Buch leistet: Es erklärt, was Intelligenz ist und wie diese prinzipiell gemessen wird. Damit nimmt es Ängste vor dem Thema und hilft bei der Einordnung. Das Buch zeigt, wie bestimmte Fähigkeitsbereiche im Alltag trainiert werden können (und welche nicht). Es bietet Gelegenheit, sich mit Aufgaben, die realen Testaufgaben nachempfunden werden, auf allgemeiner Ebene vertraut zu machen. Für eine fundierte psychologische Diagnostik sollen Sie aber immer eine psychologische Beratungsstelle aufsuchen!

 

Wir hoffen, dass es Ihnen Spaß macht, viel Neues über sich und Ihr Kind zu erfahren und diese Erkenntnisse praktisch umzusetzen.

 

Irina Bosley und Erich Kasten