2.2 IQ und EQ im Vergleich/ Link zum Buch  Emotionale Intelligenz

Zum Begriff „Emotion“ gibt es keine einheitliche Definition. Zum Begriff „Intelligenz“ gibt es mehrere Definitionen (s.o.). Kognitive Fähigkeiten können mit einem IQ-Test gemessen werden. Im Hinblick auf die emotionale Intelligenz gibt es mehrere Modelle, die grob eingeteilt entweder zum Fähigkeitsbereich oder zum Bereich der gemischten Modelle gehören. In der folgenden ◉ Tab. 2.1 werden einige Informationen zu IQ und EQ einander gegenübergestellt.

Parameter

Intelligenz (IQ)

Emotionale Intelligenz (EQ)

Begriff

Intelligenz ist die globale Fähigkeit eines Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich erfolgreich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen" (Wechsler 1975)

Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und die anderer zu erkennen, uns selbst zu motivieren und gut mit Emotionen in uns selbst und in unseren Beziehungen umzugehen“ (Goleman 1998).

Einführung des Konzepts

Der französische Psychologe Alfred Binet entwickelte als Erster im Jahr 1904 Aufgaben, mit deren Hilfe er Urteilsfähigkeit, Verständnis und logisches Denken messen konnte.

Das Konzept wurde 1990 von Peter Salovey und John Mayer entwickelt. Daniel Goleman machte mit dem Buch „Emotionale Intelligenz“ den Begriff im Jahr 1995 bekannt.

Ursprung

Je nach Studie zu ca. 50 bis 80 Prozent erblich*. Durch Fördermaßnahmen lässt sich Intelligenz nur in einem bestimmten Rahmen steigern.

Erblichkeit ungewiss. Emotionale Intelligenz kann zum Teil erlernt werden.

Entwicklung (◉ Abb. 2.4)

Entwickelt sich in der Kindheit bis etwa zum 17. Lebensjahr und bleibt dann relativ konstant. Im Alter verschlechtern sich einige Intelligenzfunktionen.

Nimmt im Laufe des Lebens ständig zu. Menschen lernen aus ihren Erfahrungen und erwerben neue Kompetenzen. Verbesserungen bis ins hohe Alter möglich.

Messung mit Tests

Es gibt 74 deutschsprachige Testvarianten, 24 davon sind aktuell gültig.

Aktuell gibt es in Deutschland nur 2 Testverfahren: Mayer-Salovey-Caruso Test zur Emotionalen Intelligenz (MSCEIT) von Mayer, Salovey und Caruso (2011) und das Emotional Intelligence Inventar (EI4) von Satow (2012).

Messgegenstand

IQ: Gemessen werden z.B. logisches Denken, mathematische Fähigkeiten, Merkfähigkeit, zahlengebundenes Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, sprachliches Ausdrucksvermögen und Denkgeschwindigkeit.

EQ: Umfasst grundlegende emotionale und soziale Kompetenzen. Nach Salovey und Mayer (1990) sind das z.B. Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, Motivation, Empathie und soziale Fähigkeiten.

Testergebnisse

Anspruchsvolle Tests mit eindeutig richtigen Antworten.

Einfache Tests, bei denen es oft keine eindeutig richtige oder falsche Antwort gibt.

Potenziale

Menschen mit einem hohen IQ haben Erfolg bei Tätigkeiten mit komplexen geistigen Anforderungen. Intelligenz ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Eigenschaft für Erfolg und Karriere.

Menschen mit hohem EQ haben Erfolg bei allen Tätigkeiten, die mit Menschen zu tun haben, von der Verkäuferin bis zum Chef einer Firma.

Geschlechtsunterschiede

Insgesamt keine Geschlechtsunterschiede. Tendenziell etwas bessere Ergebnisse von Männern in den Bereichen Mathematik und räumliches Vorstellungsvermögen und von Frauen im Bereich Sprache und bei Aufgaben mit Multitasking.

Frauen achten mehr auf ihre eigenen Emotionen, zeigen mehr Empathie und gehen mit zwischenmenschlichen Beziehungen geschickter um. Männer sind dagegen selbstsicherer und optimistischer, sie können sich leichter anpassen und gegen besser mit Stress um.

Tab. 2.1 Vergleich zwischen IQ und EQ

*Der Begriff „Erblichkeit“ sorgt in der Öffentlichkeit immer wieder für Verwirrung, wenn es um die Frage geht, welchen Anteil die Gene an der Ausprägung eines Merkmals haben. Für eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Begriff „Erblichkeit“ sei Ihnen das Buch „Erblichkeit der Intelligenz. Eine Klarstellung aus biologischer Sicht“ von Karl-Friedrich Fischbach und Martin Niggeschmidt (2015) empfohlen.

Teil 2 Abb 2 4

 

Abb. 2.4 Die kognitive Intelligenz ändert sich im Erwachsenenalter nicht mehr wesentlich (gestriechelte Kurve), wenn wenn die Jugendphase (grau hinterlegt) beendet ist. Die emotionale Intelleigenz steigt während des ganzen Lebens an. Aus den Kompetenzen des Individuums und einer geschickten Anwendung von beiden Intelligenzen ergibt sich der Erfolg im Leben

2.3 Ist EQ wichtiger als IQ?

Grundstimmungen wie auch aktuelle Emotionen beeinflussen unsere Strategien zum Problemlösen. Positive Emotionen sind mit der Fähigkeit verbunden, Dinge im Zusammenhang zu sehen, vielfältige Ideen zu entwickeln und die Kreativität zu steigern. Während negative Emotionen wie Angst oder Depressionen dazu führen, dass die Aufmerksamkeit auf die eigene Person gerichtet wird, lenken positive Stimmungen die Aufmerksamkeit nach außen. Je besser man in der Lage ist, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen, umso geschickter kann man auch mit Veränderungen der Stimmung umgehen.

Der EQ hat naturgemäß vor allem positive Auswirkungen auf die Teamarbeit. Eine psychologische Studie zeigte,dass die durchschnittliche Intelligenz des Teams kaum einen Einfluss auf die Produktivität hatte (metaanalytische Studien zu Intelligenz und Berufsleistung in Deutschland an der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, s. Kamer 2009).Stattdessen war die soziale Sensibilität (d.h. die Fähigkeit, die Gefühle und Gedanken der Anderen zu verstehen) der wichtigste Faktor, der die Gesamtgruppenleistung beeinflusste.

Wen hätten Sie lieber als Chef oder Kollegen: den fleißigen, aber sozial-kühlen Besserwisser oder aber den sympathischen Netten, mit dem man in der Pause auch einmal Kaffee trinken und über Gott-und-die-Welt reden kann? Was nützt der klügste Mitarbeiter, wenn er mit den anderen Teammitgliedern nicht klar kommt? Oder aufgrund seiner Art vielleicht sogar noch aneckt und von der übrigen Crew gemobbt oder boykottiert wird? Offenheit, Kontaktbereitschaft und hohe soziale und emotionale Fähigkeiten sind im Berufsleben ebenso ausschlaggebend wie berufliche Kenntnisse.

Auch für Arbeitgeber ist der EQ daher ein durchaus wichtiges Merkmal. In einer Studie der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH, die im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales im Jahr 2011 durchgeführt wurde, sagten 59% der befragten Arbeitgeber, dass sie einen Bewerber mit einem niedrigen EQ nicht einstellen würden, auch wenn dieser eine hohe logische Intelligenz besitzt (Becker et al. 2011). 75% der Arbeitgeber gaben an, dass sie eher ein Teammitglied mit einer hohen emotionalen Intelligenz als mit einem hohen IQ fördern würden. Allerdings ist der Kontrast künstlich. Hohe Intelligenz schließt nämlich nicht aus, dass man auch einen hohen EQ hat. Optimal sind natürlich Bewerber, die beides besitzen und obendrein noch fleißig sind. Leider sind solche Menschen selten. Aber vielleicht gehören Sie (bald) dazu, denn man kann seinen EQ durchaus verbessern. Emotionale Intelligenz kann also nicht als Gegensatz zum klassischen IQ betrachtet werden. Vielmehr erweitert der EQ die alte Vorstellung von Intelligenz, in der lediglich kognitive Fähigkeiten als Voraussetzung für den Erfolg im Leben betrachtet wurden.